Die Königin von Saba erscheint geradezu als Symbolfigur jener vielfältigen Vernetzungen, mit denen die biblische Geschichte von 1. Könige 10 in ihre jeweilige kulturelle Welt eingebunden ist. Diesen Vernetzungen geht der Band von Ulfrid Kleinert kenntnisreich nach. Er entfaltet ein breites und buntes Spektrum an Text- und Bildtraditionen, in denen die Wanderungen der Königin als einer faszinierenden Erzählfigur  anschaulich sichtbar werden. Anhand von 13 Beispielen aus der jüdischen, christlichen und islamischen Tradition entsteht ein eindrucksvolles Bild von der Allgegenwart der Königin selbst in weit auseinander liegenden Literaturbereichen, von der Wandlungsfähigkeit ihrer Figur und von der Verlockung der biblischen Leerstellen.

Die Königin erweist sich als Figur von internationalem Rang und religionsverbindendem Charakter.

Das letzte Kapitel zieht ein Fazit und fragt, „was drei Religionen verbindet und was sie unterscheidet, aber nicht trennt, und warum nicht alle Rätsel gelöst sind“. Das ist eine große Frage, die letztlich an das Publikum dieses anregenden Buches weitergereicht wird. Die Geschichte einer Begegnung mit dem Fremden – faszinierend, gefährlich, verlockend, herausfordernd – geht weiter.

Das Buch ist hervorragend ausgestattet. Man nimmt es mit Lust zur Hand. Farbige Reproduktionen von gediegener Qualität machen die Lektüre zu einem Genuss.

Dem Verfasser ist mit diesem Band eine Darstellung großer biblischer Zusammenhänge und deren verzweigter Rezeptionswege gelungen – in einer Kombination aus wissenschaftlich solider Recherche und belletristischem Lesevergnügen. Von den vielen populären Titeln, die sich bisher schon der Königin von Saba gewidmet haben, hebt sich dieses Buch durch seinen seriösen, theologisch versierten Blick auf die breit gestreute Überlieferung wohltuend ab. Wer sich mit außerbiblischen Traditionen zu biblischen Erzählfiguren beschäftigt und dabei in andere, gelegentlich weit entfernt liegende religiöse und kulturelle Kontexte gerät, treibt kein Allotria. Für unser Verständnis der biblischen Überlieferung ist dieser Horizont elementar und unerlässlich.

Auszüge aus der im Juni 2016 im 141. Jahrgang der Theologischen Literaturzeitung S.601-603 erschienenen Rezension von Prof. Dr. Christfried Böttrich, Universität Greifswald zu Ulfrid Kleinerts Buch „Das Rätsel der Königin von Saba –Geschichte und Mythos“, Darmstadt 2015

 

 

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